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Apr 27, 2017

Von einem, der auszog, ein Technologie Startup zu gründen – und erfolgreich war.

Mit einem Fulbright-Stipendium und damit verbunden einem „Dualen Master of Science“ in Architektur und Informatik begann ich meine Reise der Digitalisierung in der Immobilienwirtschaft bereits 1992 in San Luis Obispo, Kalifornien. Meine damaligen Themen: Objektorientierte CAD Systeme (heute BIM genannt) und Agentenunterstützer Planung (heute Basis vieler Proptech Startups mit KI Bezug). Die waren damals hoch innovativ aber ihrer Zeit voraus. Heute sind all diese Themen in der Wirklichkeit angekommen.

Im Jahr 2000 trat ich als Mitgründer eines Technologie Startups, der conject AG, an, um Teams der Bau- und Immobilienwirtschaft mit den seinerzeit neuen Möglichkeiten des Internet sog. virtuelle Projekträume zur Verfügung zu stellen. Projektrelevante Termine, Dokumente, Pläne und Adressen sowie deren Verteilungen waren darin zentral, einheitlich geordnet und online gemäß einer differenzierten Rechtematrix verfügbar. Die damit erzielte Transparenz führte bei unseren Kunden nach einem anfänglichen Investment in die Einarbeitung zu erheblichen Einsparungen bei Zeit, Geld und Nerven – Mängel wurden verringert, wenn nicht vermieden, und am Ende die Qualität der Projekte signifikant erhöht. Vor wenigen Monaten konnten wir das Unternehmen an einen bereits börsennotierten Mitstreiter erfolgreich verkaufen, was mit Aconex zur Bildung des weltweit größten Anbieters internetbasierter Projektkommunikation mit über 800 Mitarbeitern und mehr als einer Milliarde Euro Umsatz führte.

Doch dieser Weg war unerwartet schwer und voller Hürden. Nicht das anfängliche Investment war das Problem: Vielmehr bestand die Herausforderung darin, mit unserer neuen Technologie auf die Akzeptanz in einer eher konservativen Bau- und Immobilienwirtschaft zu treffen – wer liebt es schon, seine individuelle eingespielte Logik von Nomenklatur, Ablage und Kommunikation zu verändern – und im Ergebnis dann auch noch seine Arbeitsergebnisse transparent anderen beteiligten Firmen darlegen zu müssen? Und wer mag schon, standardisiert arbeiten zu müssen und effizienter kontrolliert zu werden? Zudem gab es auch im Jahre 2000 nicht eben Wenige, die an der weiter wachsenden Relevanz des Internets immer noch tiefe Zweifel hegten?

Zugang zu Multiplikatoren und Erste Referenzprojekte waren Basis für Erfolg

Für uns war es daher entscheidend, schon früh einen Beirat mit gut vernetzten Persönlichkeiten und Unternehmen gewonnen zu haben, die uns die Chance gaben, unsere neue Software in konkreten Projekten zum Einsatz zu bringen- den „proof of concept“ gewissermaßen. Für unseren Fortschritt war es bedeutend, erfolgreiche Referenzprojekte zu gewinnen und zu gestalten, sie waren die Schlüssel zu den verschiedenen Zielgruppen im Markt, national wie später auch international. Die Märkte fassten Vertrauen in unsere neue Technologie.

Im Mittelpunkt steht immer der einzelne Mensch, er muss zur Änderung bereit sein

Auch mit Industrie 4.0 in der Immobilienwirtschaft geht es heute nach wie vor in erster Linie um Vertrauen und darum, neue Wege zu wagen. Dabei steht unabhängig jeglicher Euphorie der Mensch nach wie vor an erster Stelle. Die Einführung oder Veränderung von auf die Möglichkeiten der Digitalisierung abgestimmten Prozessen kann nur im Rahmen der Transformation bestehender Organisationen erfolgen. Die verantwortlichen Unternehmer bei Immobilieneigentümern, Dienstleistern aber auch Beratungsunternehmen sind hier aufgerufen den anstehenden Wandel zu gestalten.

Beirat
Uwe Forgber